Die Geburt

Am 07.10.2015 um 23.45h wurde ich wach, um auf die Toilette zu gehen. Ich verlor etwas Blut, was mich nicht wunderte, war ich ja immerhin schon drei Tage vor dem errechneten Entbindungstermin angekommen. Ich war voller Vorfreude auf mein kleines Mädchen! Ich konnte es kaum erwarten, sie endlich in meinen Armen zu halten. Ich stellte mich noch unter die Dusche, denn ich wollte frisch sein für die Geburt. Danach zog ich mich an und legte mich noch einmal ins Bett, in der Hoffnung noch etwas Schlaf zu finden, bevor es losgehen würde. Aber den Schlaf habe ich nicht mehr gefunden, da sich bereits eine leichte Wehentätigkeit eingestellt hatte. Also fuhren wir ins Krankenhaus. Dort angekommen, wurde vorerst ein Fruchtwassertest gemacht, der ergab, was ich ohnehin schon wusste, dass die Blase bereits einen Riss haben musste. Ich wurde ans CTG angeschlossen. Nach einer Weile erklärte mir die Hebamme, dass ich aufs Zimmer gehen könne, um mich noch ein wenig auszuruhen. Sie sagte außerdem, dass sich bis 7 Uhr morgens etwas getan haben müsse, wenn nicht, würde sie mit einem Einlauf nachhelfen wollen. Das wollte ich auf keinen Fall. Auf dem Zimmer angekommen, konnte ich mich voll und ganz auf meine Wehen und die Geburt einstellen. Ich hatte keinerlei Angst – ganz im Gegenteil. Mein Mann hat sich währenddessen im Auto schlafen gelegt und wartete darauf, dass ich mich bei ihm melden würde.

Ich war also ganz alleine auf dem Zimmer und veratmete im Stehen die immer stärker werdenden Wehen. Es war so still und friedlich. Nur Tilda und ich. Der Wehenschmerz war sehr gut auszuhalten. Ich habe ihn keineswegs als eine Belastung empfunden, denn jede Wehe sollte mir ja mein Kind näher bringen. Es waren unglaublich schöne 1,5 Stunden, in denen ich ganz mit mir und meinem Körper war. Ich hatte ein tiefes Vertrauen in meinen Körper, dass er das richtige tun würde. Mit einem Mal gab es einen Knall in meinem Bauch und ich wusste sofort, dass das der Blasensprung war und ich wusste auch, dass es jetzt erst richtig losgehen würde. Endspurt! Unglaublich! Ich rief meinen Mann an und wir verabredeten uns im Kreißsaal. Die Wehen wurden mit einem Mal sehr heftig, aber ich kam ganz entspannt gegen 5.30 Uhr im Kreißsaal an. Dort veratmete ich im Stehen noch ein paar starke Eröffnungswehen, bis die Hebamme mich darum bat, mich hinzulegen, um den Muttermund abtasten zu können. Der war inzwischen vollständig eröffnet! Wahnsinn, gleich würde ich mein Baby in den Armen halten. Einen Augenblick später sagte mir die Hebamme, dass ich schon mit schieben dürfte und kurz danach verspürte ich schon die erste Presswehe. Ich schob also mit. Mit all meiner Kraft und all meiner Liebe schob ich ihr Köpfchen mit nur einer Presswehe zur Hälfte heraus. Mein Mann sah schon ihr Köpfchen und sagte ganz euphorisch, dass ich nur noch einmal mit schieben müsse und sie dann schon da wäre. Ich war so sehr dabei und konnte es kaum erwarten. Die nächste Presswehe kündigte sich an. Wieder schob ich mit all meiner Kraft und all meiner Liebe mein kleines Mädchen aus mir heraus. Mit nur 2 Presswehen erblickte unsere kleine Tilda am 08.10.2015 um 6.15 Uhr in der SSW 39+5 das Licht der Welt.

Sie legten mir mein kleines Baby sofort auf die Brust. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Wir waren so unglaublich überwältigt. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie glücklich wir waren. Sie war so weich, sie roch so gut und sie blickte ganz stumm um sich und erkundete das erste und das letzte Mal ihre neue Umgebung. TILDA – mein kleines Mädchen, meine kleine Elfe, ich liebe Dich mehr, als Worte je beschreiben könnten! Du hast unser Glück perfekt gemacht! Größer hätte unser Glück in diesem Moment nicht sein können…

Die Schwangerschaft mit Tilda

Als ich das erste Mal zum Arzt ging, war ich bereits in SSW (Schwangerschaftswoche) 8+6. Ich wollte sichergehen, dass man das Herzchen schon schlagen sehen würde, wenn ich das erste Mal den Arzt aufsuche. Und siehe da – das Herzchen schlug ganz kräftig. Zu diesem Zeitpunkt hatte mich die Schwangerschaftsübelkeit voll im Griff. Das war anstrengend, aber meine zwei Kinder waren bereits groß und ich arbeitete nicht mehr als 3,4 Mal die Woche. So war es gut auszuhalten.

In der 12. SSW ließ ich die Nackenfaltenmessung und das Organsreening durchführen. Während der Untersuchung wurden keine Auffälligkeiten gefunden. Allerdings erhielt ich ein paar Tage später einen Anruf von meinem Frauenarzt, dass das Ergebnis der Nackentransparenz, dem dazugehörigen Organscreening und meinem Blutbild für mein Alter nicht optimal sei und er mir zu einem Preanatest raten würde, um sicherzustellen, dass das Kind gesund ist. Der Test sollte 745€ kosten. Ich erzählte meinem Mann davon und wir entschlossen, den Test machen zu lassen. Er birgt keine Risiken für Mutter und Kind. Ich ging also zum Arzt und ließ den Bluttest durchführen. Ca. 10 Tage später rief ich in der Praxis an und wurde mit einer Vertretungsärztin verbunden. Sie teilte mir mit, dass ich ein gesundes Kind erwarten würde, denn die Trisomien 13, 18 und 21 konnten ausgeschlossen werden. Sie fragte mich außerdem, ob ich das Geschlecht wissen möchte. Was ich nach kurzem Zögern bejahte. „Sie bekommen ein gesundes Mädchen“, sagte die Ärztin am anderen Ende. Ich weiß noch, dass es mir in dem Moment seltsam vorkam, dass die Ärztin sagte, dass das Kind gesund sei. Woher wollte sie das wissen, es wurden doch lediglich ein paar Krankheiten ausgeschlossen?! Sie konnte doch gar nicht wissen, ob mein Kind nicht eine der anderen vielen Krankheiten haben könnte, die der Test gar nicht in der Lage ist zu erfassen. Ich erinnere mich noch so genau an dieses Telefonat und ich erinnere mich auch, dass ich es mit einem unguten Gefühl beendete. Heute wünschte ich, die Ärztin hätte recht behalten.

In der 13. SSW hatte ich eine starke Blutung und bin deshalb sofort zum Arzt. Ich landete wieder bei einer Vertretungsärztin. Sie untersuchte mich und konnte sofort feststellen, dass das Herz noch kräftig am Schlagen war, sie könne mir aber nicht versprechen, wie sich die Schwangerschaft in den nächsten Tagen entwickeln würde. Es könne sein, dass die Blutung von meiner Plazenta preavia (eine Plazenta die vor dem inneren Muttermund liegt) kommt, die ich zu diesem Zeitpunkt noch hatte. Sie schickte mich nach Hause und sagte mir, dass ich mich erstmal schonen solle. Die Blutungen hielten drei Tage an und verschwanden dann komplett. Und ich fühlte mich gut. Heute frage ich mich oft, ob die Blutung schon ein Alarmzeichen meines Körpers war. Vielleicht hat mein Körper gespürt, dass sie krank ist und deshalb versucht, sie abzustoßen.

In der 28. SSW hatte ich das Gefühl, Fruchtwasser zu verlieren und bin deshalb mit meinem Mann ins Krankenhaus. Ein Fruchtwassertest konnte bestätigen, dass es kein Blasensprung war, das CTG zeichnete allerdings eine leichte, aber regelmäßige Wehentätigkeit auf. Auch diesmal wurde ich mit dem Vorschlag, ein bisschen Ruhe einkehren zu lassen, nach Hause geschickt. Und auch diesmal fühlte ich mich sehr gut. Ich konnte nicht mehr arbeiten, das war das einzige, was mich belastete. Aber das nahm ich gerne in Kauf für mein kleines Mädchen.

Die Schwangerschaft verlief ansonsten völlig ohne Komplikationen.

 

Vorgeschichte

Zuerst möchte ich mich vorstellen. Ich heiße Anna, bin 36 Jahre alt und habe mit meinem Mann 4 Kinder. Feline Clara (13 Jahre), Emile Maximilian (12 Jahre), Tilda (geb.: 08.10.2015; ges.: 12.10.2015) und Timéo Maximilian (18 Monate). Wir müssen aus beruflichen Gründen sehr oft umziehen, haben schon in einigen deutschen Städten gelebt und auch im Ausland. Wir ziehen jedesmal mit unserem kompletten Hausstand um. Wir müssen jedesmal die Kinder behutsam darauf vorbereiten, dass sie all ihre Freunde zurücklassen müssen, um mit einem komplett neuen Leben in einer fremden Stadt wieder von vorne anzufangen. Wir müssen jedesmal neue Sportvereine, Ärzte, Kitas, Schulen usw ausfindig machen. Und damit habe ich nur einen Bruchteil davon erwähnt, was so ein Umzug in die Ferne nach sich zieht. In den letzten 14 Jahren sind wir 10 Mal umgezogen und unser Leben ist allein durch die häufigen Umzüge sehr belastet. Unser Alltag unterscheidet sich von dem anderer Familien, da wir meist damit beschäftigt sind, uns in einer neuen Stadt einzuleben und zurechtzufinden.

Eigentlich wollte ich nach meinen ersten 2 Kindern keine Kinder mehr bekommen, da die letzten Jahre und die vielen Umzüge schon Spuren hinterlassen hatten. Aber als ich Anfang 30 war, kam bei mir erneut der Wunsch nach einem Baby auf. Und das mit voller Wucht. Ich konnte meinen Mann von einem dritten Kind überzeugen und hielt ein paar Monate später den positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Ich war sehr aufgeregt, konnte es anfangs kaum glauben.